Ursula Stumpf: Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter. Naturkraft schöpfen, Heilwissen nutzen

Zwölf Monate, zwölf Göttinnen, Heilkräuter in Jahreslauf – Bücher dieser Art gibt es eine ganze Reihe. Was aber macht dieses zu etwas Besonderen? Es hat ein ungewöhnliches Format und ungezählte große farbige Bilder der Künstlerin Ursula Stump. Allein das Blättern und Schauen macht also Lust aufs Rausgehen. Ergänzt wird das großzügige Layout durch wunderschöne Fotocollagen.

Wenn eine sich satt gesehen hat und zu lesen beginnt, dann findet sie für jeden Monat eine Einstimmung, Affirmationen, die Vorstellung einer besonders in die Jahreszeit passenden Göttin und typischer Pflanzen. All dies nicht ganz neu. Was auffallend ist jedoch, mit wie viel Sachkenntnis und einer erfrischenden Bodenständigkeit die promovierte Pharmazeutin und PhytoKinesiologin die zwölf Kapitel verfasst hat. Sammeltipps werden von praktikablen Rezepten ergänzt. So erfährt die Leserin ganz nebenbei, dass der Glücksklee, den wir Silvester im Topf geschenkt bekommen, kühl, hell und relativ trocken stehen muss. Den hab ich wohl immer tot gegossen. Oder dass Schneeglöckchen sich mit ihrer eigenen Wärme durch die Schneedecke schmelzen. Huflattich stärkt die Willenskraft und hilft, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen. Getrocknete Gierschwurzeln, die so manche Kleingärtnerin im Überfluss aus dem Boden buddelt, helfen im Bad gegen Gelenkschmerzen. Die Wurzel der Nachtkerze schmeckt nach Schinken. Und durch Besprengen mit Eisenkrautsud wollten Wirte ihre Gäste zum Zechen animieren. Gänsefingerkrauttee ist besonders wirksam, wenn er mit Milch aufgekocht wird. Vorsicht mit Hirtentäscheltee, denn der dämpft die sexuelle Lust. Eine Traubenkur im Oktober (2 kg blaue Trauben pro Tag) reinigt das Blut. Rosskastanientinktur verhindert das Anschwellen der Beine auf Langstreckenflügen. Und auf Farnkraut gelagerte Lebensmittel bleiben länger frisch.

Diese Kostproben dürften auch die Letzte überzeugt haben, dass Ursula Stumpfs Buch eine wahre Fundgrube ist – für Kräuterentdeckerinnen ebenso wie für Kräuterkundige. Ein Buch, dass auf anregende Weise durch die zwölf Monate des Jahres begleitet. Ungeeignet höchstens für notorische Stubenhocker.

Ursula Stumpf. Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter. Naturkraft schöpfen, Heilwissen nutzen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH. Stuttgart. 2010-12-14

gelesen von Elke Heinicke