Veneda Mühlenbrink: Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an.

Veneda Mühlenbrink: Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an.Generationengespräche sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Lesbenkultur geworden. Junge und alte Lesben sprechen miteinander, tauschen ihre Sichtweise auf Dinge aus, sind neugierig aufeinander und haben gemeinsam Spaß. Wichtig ist dieser Dialog insbesondere, da Lesben in der Geschichtsschreibung noch viel zu oft unsichtbar bleiben und nur über den Dialog verhindert werden kann, dass selbst die jüngere Geschichte in Vergessenheit gerät. Umso erfreulicher, dass dieser Dialog nun auch Eingang in die Literatur gefunden hat.

Veneda Mühlenbrink erzählt von Valerie, der Autorin, die nach einer Trennung gerade in einer Sinnkrise steckt. Über eine Freundin kommt sie in Kontakt zu Luise, einer Lesbe im Altenheim. Verena beginnt ein Buch über Luises Leben zu schreiben, dass erst nach deren Tod veröffentlicht werden soll, denn in Luises Familie und in ihrer Umgebung weiß kaum jemand von ihrer sexuellen Orientierung. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine Freundschaft, Luise erzählt ihr Leben und Valerie lässt Luise an den Turbulenzen ihres lesbischen Umfelds teilhaben. Im Austausch tritt immer stärker zu Tage, was es zu verschiedenen Zeiten bedeutete lesbisch zu leben, wie sich die Bedingungen für ein selbstbestimmtes Leben und das Coming out gestalteten. Wir erfahren von Luises erster großer Liebe Anfang der zwanziger Jahre, mitten in der Inflationszeit, vom Aufbruch der späten zwanziger Jahre in Berlin, von engagierten Kommunistinnen, vom Erstarken des Nationalsozialismus, von Verfolgung und Widerstand, von Krieg und Leid, immer wieder aber gibt es auch Liebe und Leidenschaft. Und als Valerie sich in die rumänische Ärztin Ildigo verliebt, wird ein weiterer Aspekt lesbischen Lebens eingeführt – das Leben als lesbische Migrantin, deren Studium in Deutschland nicht anerkannt wird.

Ein wichtiges und spannendes Buch, dass Geschichte lebendig werden lässt.

Veneda Mühlenbrink. Irgendwo auf der Welt fängt mein Weg zum Himmel an. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/Taunus. 2010

gelesen von Elke Heinicke