Wera Wendnagel: Mariannes Vermächtnis oder wie mir meine Mutter die Freiwirtschaft vererbte.

Wera Wendnagels Mutter hat eine Menge erlebt: Weltwirtschaftskrise und Gründung einer überregionalen Tauschbörse, in der mit Wära gezahlt wurde. Schon nach zwei Jahren konnte in mehr als 1000 deutschen Geschäften mit Wära bezahlt werden. Dann wurde mit einer Wära-Anleihe der Betrieb im Braunkohlebergwerk Schwanenkirchen wieder aufgenommen und die Region in eine blühende Wirtschaftsregion verwandelt. Theoretische Grundlage bildete die Freiwirtschaft nach Silvio Gesell. Marianne Wendnagel wurde wie viele Freiwirtschaftler von den Nationalsozialisten verfolgt, engagierte sich später in der VVN, wandert zeitweilig nach Lateinamerika aus. Als sie schwer erkrankt und pflegebedürftig wird, beginnt sich die Tochter Wera zunehmend für die wirtschaftspolitische Sicht der Mutter zu interessieren und setzt sich immer aktiver für die Verbreitung ihrer Überzeugung ein. Die mit diesem Buch erschienene Lebensgeschichte ist Teil der Verwirklichung des mütterlichen Vermächtnisses.

Spannend wie ein Roman lässt die Erzählung persönliche Erlebnisse von Mutter und Tochter, gleichzeitig aber auch wichtige Ereignisse der neueren Geschichte lebendig werden.

Bei mir ist der Wunsch entstanden, mehr über die Freiwirtschaft zu erfahren, die auch bei Ökonomen wie Keynes Beachtung fand. Freigeld, das beim Aufsparen an Wert verliert bzw. Geld kostet statt Zinsen zu tragen, Bodenreform,  Freie Liebe, Ehekritik, Emanzipation der Frau – letztere allerdings begründet mit einem etwas schrägen Frauenbild, das die Theorie fatalerweise auch für rechte Ideologen brauchbar scheinen ließ – sind Eckpfeiler der Natürlichen Wirtschaftsordnung.

Welche wie ich mehr über Freiwirtschaft wissen möchte, der sei eine weitere, bereits 1990

ebenfalls im Ulrike Helmer Verlag erschienene Veröffentlichung der Autorin empfohlen: Mama Moneta oder die Frauenfolge.

 

Wera Wendnagel. Mariannes Vermächtnis oder wie mir meine Mutter die Freiwirtschaft vererbte. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/Taunus. 2010

 

gelesen von Elke Heinicke