Wie weiblich ist Kochen? Katja Mutschelknaus: Frauen mit Geschmack. Vom Vergnügen, eine gute Köchin zu sein

Seit Jahrtausenden gilt Kochen – das tägliche Beschaffen von Nahrungsmitteln und Versorgen der Familie – als wenig bis gar nicht wertgeschätzte weibliche Reproduktionsarbeit. Von der Natur mit einem Fürsorglichkeitsgen ausgestattet tun Frauen nichts anderes, als ihrem natürlichen Versorgungstrieb zu gehorchen. So weit, so schlecht, denn leider ist diese krude These auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch fest im (männlichen) Allgemeinwissen verankert. Fragt mal in Schulen und Kindergärten. Gruselig.

Erstaunlicherweise aber ändert sich die Einschätzung vom Wert des Kochens, sobald es um die Zubereitung von Essen für Geld geht, wobei hier allerdings noch nicht die Köchinnen adeliger und großbürgerlicher Haushalte gemeint sind. Denn die folgen ja nur quasi im erweiterten Familienkreis ihrer naturgegebenen Bestimmung. Nein, genauer gesagt geht es um das Produzieren von sozusagen „öffentlichen“ Mahlzeiten in Restaurants. Hier existiert eine der letzten fast reinen Männerbastionen, hier sind die Jungs noch nahezu unter sich. Plötzlich ist das Kochen, das Herumwuchten schwerer Töpfe, viel zu anstrengend für die Konstitution zarter Frauen, auch wenn es sonst nicht im geringsten interessiert, wenn eben diese zarten Frauen vier schwere Einkaufstaschen +2 zappelnde Kleinkinder ohne Hilfe in den fünften Stock hinauf schleppen. Aber Töpfe in Profiküchen sind natürlich ganz was anderes und der Umgang mit scharfem Werkzeug sollte auch besser denen überlassen werden, die etwas davon verstehen…Nur wenige Mädchen machen eine Kochausbildung, Küchenchefinnen sind ein rares Gut und Sterneköchinnen sind seltener als Perlen einer Auster.
Dass Frauen aber in Profiküchen von Natur aus nicht vorkommen können, widerlegt in ausgesprochen Appetit anregender Weise

Katja Mutschelknaus: Frauen mit Geschmack. Vom Vergnügen, eine gute Köchin zu sein

Anhand von Porträts berühmter und weniger bekannter Köchinnen schlägt die Autorin einen unterhaltsamen Bogen von der Hofköchin über die bürgerliche „Perle“ und die Kochbuch-und Ratgeberautorinnen bis hin zu den heutigen Star-und Sterneköchinnen. Kochen war immer ein schweres Handwerk, erst seit relativ kurzer Zeit vereinfachen Maschinen viele Arbeitsgänge, aber und vor allem war und ist Kochen eine Frage von guter Organisation, perfektem Management und vor allem Inspiration und Fantasie. Die Kapitel sind chronologisch geordnet beginnend mit dem höfischen Zeitalter über das Kochen im bürgerlichen Haushalt bis in die Neuzeit. Aufgelockert werden die ausnehmend vergnüglich zu lesenden Texte durch eine Menge wunderbarer Fotos und Bilder sowie durch die Rezepte großartiger Köchinnen, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Und zum sofortigen Nachkochen anregen, aber dafür müsste frau das Buch aus der Hand legen. Schwere Entscheidung…

Katja Mutschelknaus, Frauen mit Geschmack. Elisabeth Sandmann Verlag München 2010

gelesen von Jule Blum

Bücher wie diese sollten zur Pflichtlektüre in der Kochausbildung gehören, denn wie sagte schon Isabella Beeton, die Autorin von „Beeton’s Book of Household Management“, 1861:
Wie kultiviert ein Volk ist, lässt sich an zwei Dingen messen: daran, wie es seine Mahlzeiten einnimmt, und daran, wie es seine Frauen behandelt.