Adoptionshilfegesetz diskriminiert Zwei-Mütter-Familien

Regenbogenfamilien müssen zur Absicherung ihrer Kinder neben verpflichtendem Stiefkindadoptionsverfahren nun auch Zwangsberatung über sich ergehen lassen

Der von der Bundesregierung formulierte Gesetzesentwurf zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in Adoptionsprozessen (“Adoptionshilfegesetz”) bringt 15 Jahre nach Ermöglichung der rechtlichen Absicherung von Regenbogenfamilien eine massive Schlechterstellung und Diskriminierung von Zwei-Mütter-Familien mit sich. Letztere machen ca. 90 Prozent aller Regenbogenfamilien aus.

“Wir fordern Justizministerin Lambrecht und Familienministerin Giffey auf, hier ihren Worten zur Gleichstellung von lesbischen Familien auch Taten folgen zu lassen”, so Vorstandsfrau Kathrin Schultz. “Es kann doch nicht sein, dass ein sinnvolles Gesetz drei Jahre nach der Ehe für Alle nun eine massive Schlechterstellung für Regenbogenfamilien mit sich bringt”, so Schultz. 

Auch drei Jahre nach der Eheöffnung müssen Regenbogenfamilien immer noch um die rechtliche Gleichstellung kämpfen und sich weiterhin dem für sie entwürdigenden Prozedere der Stiefkindadoption für die eigenen Kinder unterziehen. Dass zum Stiefkindadoptionsverfahren für das eigene Kind mit der Offenlegung aller persönlichen Daten sowie Vorsprachen bei und Hausbesuchen durch das jeweilige Jugendamt verpflichtend sind, sei schon entwürdigend genug. Schultz fährt fort: “Nun kommt für Zwei-Mütter-Familien auch noch die Zwangsberatung vor dem Stiefkindadoptionsverfahren. Das schlägt dem Fass den Boden aus! Statt den Zwang zur Stiefkindadoption für lesbische Familien endlich abzuschaffen und die Familien gleichzustellen, kommt nun diese massive Diskriminierung. Wir fordern daher die Ministerinnen auf, den Entwurf entsprechend zu überarbeiten und die Diskriminierung von lesbischen Müttern und ihrer Kinder zu beenden. Auch fordern wir insbesondere die grün-mitregierten Länder auf, dem Entwurf in seiner jetzigen Fassung im Bundesrat nicht zuzustimmen”, so Schultz abschließend.

IDAHOBIT 2020 – Gegen Lesbenfeindlichkeit und Diskriminierung: Sichtbar und solidarisch!

Anlässlich des diesjährigen Tages gegen Homo-, Bi- Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) am Sonntag, 17. Mai 2020, fordert der LesbenRing die längst überfällige gesellschaftliche Anerkennung lesbischer Lebensweisen. “Auch 30 Jahre nachdem Homosexualität aus dem Katalog der Krankheiten der WHO gestrichen wurde, wird lesbisches Leben in Deutschland und weltweit noch als abweichend und krankhaft betrachtet”, so Hedy Gerstung, Vorstandsfrau des LesbenRing e.V.. “Homophobie ist nicht gleich Lesbophobie, Lesbophobie hebt die frauenfeindliche, sexistische Komponente der “Phobie” hervor”, so Gerstung weiter.

Die Bundesregierung hat Anfang Mai entschieden, bei Konversionstherapien (“Umpolungstherapien”) die Altersgrenze nicht auf Erwachsene auszuweiten, sondern lediglich auf Minderjährige zu beschränken. Ein unschöner Zug. Die so genannte Therapierung von nicht normgerechtem Verhalten von LSBTIQ hat eine lange Tradition”, fügt Gerstung hinzu. Auch im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist die nationalsozialistische Geschichte kaum bis gar nicht aufgearbeitet. Das Jugendlager Uckermark etwa – Nachbarlager des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück – diente im sogenannten Dritten Reich, andere Jugendeinrichtungen aber auch bis in die 1980er Jahre hinein, als “Erziehungsgsorte” für lesbische und anderweitig “eigensinnige” Mädchen und junge Frauen. Lesben* wurde zwangspsychiatrisiert und lesbischen Müttern wurden wegen mangelnder “Erziehungsfähigkeit” bis Ende der 1980er Jahre das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen.

Weitere gängige lesbenfeindliche Praxis sind beispielsweise in Südafrika  so genannte “corrective rapes”. Hierbei werden lesbische Frauen vergewaltigt, um die sexuelle Orientierung der Opfer zu ändern. Aber auch in Europa ist es mit der Anerkennung lesbischer Lebensweisen nicht weit her: “Die gesetzlichen Regelungen in Polen oder Ungarn etwa, die das körperliche Selbstbestimmungsrecht von LSBTIQ massiv einschränken, beängstigen”, erläutert Gerstung. “Wir müssen daher gerade heute aufmerksam sein und solidarisch auf die Straße gehen für die, die dies aufgrund von Gefahr für Leib und Leben nicht können. Auch digital”, so Gerstung abschließend.

UPDATE: 15.05.2020, 13:17 Uhr

Mehr Sichtbarkeit und gleiche Rechte für Regenbogenfamilien – nicht nur am International Family Equality Day (IFED)

Am Sonntag, 3. Mai 2020, feiern Regenbogenfamilien weltweit den International Family Equality Day (IFED), um sich als Familien stolz zu zeigen und auf die Vielfalt von Familien hinzuweisen. Sie stehen zusammen für gleiche Rechte, mehr Teilhabe und Sichtbarkeit.

In diesem Jahr lautet das Motto des IFED „Family Diversity in Education“, um darauf aufmerksam zu machen, dass Kinder zum Beispiel in Kindertagesstätten und Schulen diese Familienvielfalt erleben und entdecken können und Regenbogenfamilien in Materialien, Büchern und Aufgabenstellungen berücksichtigt werden müssen.

„Immer mehr Menschen, die sich der LSBTIQ*-Community zugehörig fühlen, gründen überall auf der Welt Familien. Doch längst werden sie nicht überall als gleichwertige Familien anerkannt.”, betont Constanze Körner, Leiterin von Lesben Leben Familie (LesLeFam) aus Berlin, Mitgliedsorganisation des LesbenRing e.V.

Kathrin Schultz, Vorstandsfrau des LesbenRing ergänzt: “Auch in Deutschland haben Regenbogenfamilien, die zu 90 Prozent lesbische Mütter-Familien sind, noch immer nicht die Rechte, die sie brauchen, um von Anfang an als Familien abgesichert zu sein. Wir fordern daher eine Änderung des Abstammungsrechts jetzt!“

Auch drei Jahre nach Öffnung der Ehe sind Regenbogenfamilien im so genannten Abstammungsrecht weiterhin nicht gleichgestellt. So muss die Partnerin der Frau, die das Kind auf die Welt gebracht hat, das eigene Kind auf dem umständlich und diskriminierenden Weg der Stiefkindadoption wie ein fremdes Kind adoptieren. Auch die Möglichkeit der “Mutterschaftsanerkennung” analog zur Vaterschaftsanerkennung bei unverheirateten heterosexuellen Paaren bleibt den lesbischen Müttern verwehrt. Das Stiefkindadoptionsverfahren ist teils langwierig und erfordert die Offenlegung der eigenen Familienhistorie, der Finanzen, des Gesundheitszustands, Auskünfte über das Verhältnis zu den eigenen Eltern oder die Erziehungsziele, das Schreiben eines Lebensberichts, Hausbesuche durch das Jugendamt. Dinge, die im Rahmen eines regulären Stiefkindadoptionsverfahrens sinnvoll sind, werden bei lesbischen Müttern in ihr Gegenteil verkehrt und stellen eine gravierende Diskriminierung dieser Lesben* und ihrer Kinder dar.

“Dass lesbische Mütter sich und ihre Kinder im Jahr 2020 nur umständlich über den diskriminierenden Weg der Stiefkindadoption absichern können, ist beschämend und steht einer aufgeklärten Gesellschaft schlecht zu Gesicht. Es wird Zeit, dass die Empfehlungen zur Modernisierung des Abstammungsrechts, die der “Regierungsarbeitskreis Abstammung” bereits 2017 vorgelegt hat, umgesetzt werden”, so Schultz abschließend.

(Foto: LesLeFam)

Tag der lesbischen sichtbarkeit: Lesben* sind überall und vielfältig

Berlin/Heidelberg, 24.04.2020. Anlässlich des Internationalen Tags der Lesbischen Sichtbarkeit (“Lesbian Visibility Day”) am Sonntag, 26.04.2020, fordert der LesbenRing e.V. mehr Sichtbarkeit für Lesben*.

“Lesben* werden meist nicht mitgedacht, wenn die Rede von Frauen oder Homosexuellen ist”, so Vorstandsfrau Hedy Gerstung. “Die Bezeichnung ‘Homosexuelle’ bezieht sich auf schwule Männer, der Begriff ‘Frauen’ auf heterosexuelle Frauen.”, so Gerstung weiter. “Lesben* werden zwar häufig mitgemeint, so wie in der Abkürzung LSBTTIQ* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, Queer), doch ihre Interessen und ihre besondere Situation als mehrfachdiskriminierte Personen, also etwa als Frau und als Lesbe*, bleiben unberücksichtigt. Dies ergeht auch lesbischen Trans*-Frauen oder nicht-binären Lesben* so, sie kommen in der Regel nicht vor, werden nicht gesehen”, so Gerstung. 

Bis 2019 war das Stichwort “Lesbe” das am Meisten bei “Pornhub”, einer Videoplattform für pornografische Filme, eingegebene Suchwort. Und auch in der Rangliste der Schimpfworte steht “Lesbe” ganz weit vorne. Lesben* sind auch in Deutschland immer öfter Opfer von tätlichen Angriffen und Gewalt. 

In einer von Heteronormativität geprägten Gesellschaft haben Lesben* besondere Bedürfnisse und Anliegen. Junge Lesben* etwa benötigen Unterstützung beim Coming-out und im Moment  sind sie auch im besonderen betroffen, wenn sie angesichts der aktuellen Ausgangsbeschränkungen in gewaltvollen Familienkontexten “gefangen” sind. Auch ältere Lesben* sind in Einrichtungen der Altenhilfe praktisch unsichtbar, die eigene Partnerin wird nicht als solche anerkannt, besondere Gesundheitsaspekte nicht gesehen. 

Es gibt  so gut wie keine Berücksichtigung der medizinischen Belange von Lesben* in der Gesundheitsversorgung, und die Rechte und Absicherung von Regenbogenfamilien von denen der weitaus größte Teil Zwei-Mütter-Familien sind, ist auch drei Jahre nach der “Ehe für Alle” noch nicht diskriminierungsfrei möglich. 

In Flüchtlingsunterkünften sind Lesben* ungeschützt, innerhalb der eigenen Community diskriminiert und aufgrund der mangelnden Schutzmöglichkeiten besonders häufig von Vergewaltigungen (“corrective rape”) und Gewalt betroffen. Und nicht zuletzt sind Lesben* bei der Finanzierung von Projekten für Frauen oder LGBTIQ mitgemeint, finden aber de facto kaum Berücksichtigung.

“Der Tag der Lesbischen Sichtbarkeit möchte die Vielfalt der Lesben* zeigen und an die vielerorts noch herrschenden Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen, denen Lesben* jeden Tag ausgesetzt sind, erinnern. Hier bei uns und in anderen Ländern Europas und weltweit. Aus diesem Grund unterstützt der LesbenRing e.V. in diesem Jahr die coronabedingt überwiegend digital stattfindenden sogenannten Dyke Marches, die Demonstrationen für lesbische Sichtbarkeiten und Teilhabe am Abend vor den CSDs. Denn: “Sichtbarkeit ist und bleibt wichtig”, so Vorstandsfrau Gerstung. Gerade in diesen Zeiten. “Seid ‘out & proud’ auch online im Netz, erst recht für diejenigen, die sich verstecken müssen und sich nicht zeigen können hier und weltweit.”

Dyke*Marches 2020: Wir wollen euch unterstützen!

Liebe Dyke March-Engagierte und Aktive,

angesichts der derzeitigen “Corona-Lage” werden allerorten DykeMarches und CSD’s abgesagt. Dies ist aus gesundheitlichen Gründen nachvollziehbar, stellt uns als lesbische* Community allerdings vor große Herausforderungen. Wie wollen wir trotz allem sichtbar sein, wie können wir sichtbar sein?! Was gibt es für Alternativen?

Wir würden Euch gerne unterstützen – auch wenn wir in diesem Sommer wohl nicht auf der Straße sichtbar sein können, zumindest nicht in der bisher bekannten Form. Bereits im letzten Jahr konnten wir einigen DykeMarches eine kleine finanzielle Unterstützung für Auslagen anbieten. Dies wollen wir auch in 2020 tun! Denn auch virtuelles Vernetzen kostet Geld, vielleicht braucht Ihr Unterstützung für die Produktion von Guerilla-Materialien wie Aufkleber etc. etc. Eventuell wollt Ihr auch für die digitale Vernetzung und Sichtbarmachung bestimmte Software nutzen…

Wir finden eure Arbeit für die ‚lesbisch-queere‘ Community sehr wertvoll; seid ihr es doch, die die Themen von lesbischen, bisexuellen und queeren Cis- sowie Trans*-Frauen auf die Straße tragt und die Sichtbarkeit in den Städten erhöht. Wir finden, dass so viel Engagement Unterstützung verdient hat. 

Ihr könnt von uns einen kleinen finanziellen Zuschuss in Höhe von 350,00 Euro erhalten.

Aus abrechnungstechnischen Gründen möchten wir Euch allerdings bitten, auf Folgendes zu achten:

  1. Art der Kosten 
  • Ausgaben beziehen sich auf die Öffentlichkeitsarbeit:
  • Druck von Printmedien jeglicher Art
  • Honorare für die Erstellung von Print- oder anderen Medien
  • Werbeanzeigen (Online/Print)
  • Ausgaben beziehen sich auf sonstige Kosten, die im Zusammenhang mit der Demo stehen:
  • Technikausleihe für Demo (z.B. mobile Lautsprecher, Mikrophone etc.)
  • Rikschafahrten während der Demo für gehbeeinträchtigte Teilnehmer*innen
  • …. 
  • Ausgaben für Vernetzungstreffen:
  • Fahrtkosten (Zugtickets, Reisekostenpauschale)
  • Raummiete Tagungsraum
  • Verpflegung /Beköstigung der Teilnehmenden
  • Kosten für Telefon- oder Videokonferenzen
  1. Einbeziehung des Lesben*Ring
  • Logoplatzierung auf all euren Medien (hierbei bitte beachten, dass wir formal nicht als Förderin aufgeführt werden dürfen, sondern als Kooperationspartnerin)
  • ggf. Redezeit für Vorstandsperson des Lesben*Ring e.V. bei Demo einräumen (sofern die Teilnahme einer Vorstandsfrau geplant ist)
  • ggf. Grußwort bei Demo verlesen oder auf den Social-Media Kanälen veröffentlichen
  1. Kostenabrechnung
  • sollte spätestens gesammelt bis zum 30.10.2020 erfolgen
  • alle Rechnungen als PDF per Mail an vorstand at lesbenring punkt de senden

Falls ihr einen Zuschuss für euren Dyke*March in Anspruch nehmen wollt:

Schreibt uns eine Mail bis zum 31.06.2020 unter Angabe der Kostenart und inwiefern ihr euch eine Beteiligung durch den Lesben*Ring vorstellen könnt. Wir geben euch dann zeitnah Bescheid. Und, solltet Ihr Fragen haben, nur zu, meldet Euch bei uns. Erst recht, wenn Euch unsere Informationen zu den Abrechnungsmodalitäten zu kompliziert erscheinen. Wir finden bestimmt einen Weg.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Euch in diesem Jahr auf diese Art und Weise als Kooperationspartner*in unterstützen können.

P.S. Falls Ihr von anderen Dyke*Marches hört, dass sie diese Mitteilung von uns nicht erhalten haben: Es kann sein, dass diese nicht in unserem Verteiler sind. Da bitten wir um Eure Nachsicht. Gebt diese Mail dann gerne weiter.