Archiv der Kategorie: Rezensionen 2012 1. Halbjahr

Val McDermid: Alle Rache will Ewigkeit

Gerichtspsychiaterin und Profilerin Charlie Flint ist schwer angeschlagen. Ihre berufliche Reputation hängt am seidenen Faden und die langjährige Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin Maria kriselt, weil Charlie sich in die faszinierende Selbsthilfegura Lisa Kent verknallt hat. Da kommt die Bitte ihrer ehemaligen Highschooldozentin gerade recht, Jay, die Liebste ihrer gerade verwitweten Tochter etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, die sie für eine gefährliche Serienmörderin hält. Und tatsächlich tauchen bei Charlies Ermittlungen immer mehr Leichen auf, die nur eines gemeinsam zu haben scheinen: Sie waren Jay bei ihren Plänen im Weg…

Val McDermid: Alle Rache will Ewigkeit weiterlesen

Stefanie Zesewitz: Der Duft von Seide.

Eine Frauenliebe im viktorianischen England. In einer Epoche von Anstand und Sittenstrenge blüht eine verbotene Liebschaft. – verspricht der Klappentext und Liebe, Lust, Leidenschaft, Erfüllung und Aufregung bietet der Erstlingsroman von Stefanie Zesewitz in der Tat reichlich. Was den Roman darüber hinaus auszeichnet, sind  die Protagonistinnen, ausgesprochen starke Frauenfiguren:

Da ist zu allererst  Camiel Le Blanc (Cam), eine ungewöhnliche junge Frau, die in den britischen Kolonien relativ frei aufgewachsen ist und nach dem Tod ihres Vaters ein mündiges Leben führen konnte. In Indien hatte sie für zwei Jahre selbstständig und mit großem Erfolg die Führung des  vom Vater geerbten Handelshauses inne. Traumatisiert wurde sie durch den Verlust ihrer indischen Geliebten Atisha, die als Sati beim Tod ihres Ehemanns mit dessen Leichnam verbrannt wurde, ohne dass Cam es verhindern konnte. Daraufhin verließ sie Indien und entschied sie sich für ein selbstbestimmtes Leben  auf dem europäischen Festland, lebte als Malerin in der französischen und italienischen Kunstszene.

Stefanie Zesewitz: Der Duft von Seide. weiterlesen

Petra Brumshagen: Schunkelfieber.

Die Autorin Petra Brumshagen ist uns noch mit ihrem Debütroman Scheinfrei aus dem Jahr 2009 in Erinnerung. Dieses Mal lässt sie (Alter Ego?) Vicky des Jobs wegen von Bochum nach München umziehen. Der Abschied vom geliebten Ruhrpott und der WG fällt schwer, umso mehr, da Vickys Vorstellung der kulturellen Unterschiede doch eine Spur klischeehaft überzeichnet wirken. So traurig sie der Abschied stimmt, ist er doch auch eine Art Flucht, der längst überfällige Schlussstrich unter die etwas missglückte Affäre mit ihrer Uraltfreundin Toni.

Petra Brumshagen: Schunkelfieber. weiterlesen

Alexandra Gosemärker: Erst Recht! Der Ratgeber zu allen Rechtsfragen rund ums Zusammenleben.

Der aktuelle Rechtsratgeber aus dem Querverlag wurde in zweiter Auflage überarbeitet und ergänzt. Seit 2001 können sich Lesben und Schwule in Deutschland verpartnern, 2005 wurde das Gesetz nachgebessert und weitere Veränderung sind im Gang oder stehen bald an. Trotz vielfältiger Informationsmöglichkeiten zum Beispiel über das Internet oder Szene-Blätter ist es schwierig, den Überblick im Gesetzes-und Verordnungsdschungel nicht ganz schnell zu verlieren. Gosemärkers Buch ist hier ein großartiger Wegweiser, denn die Rechtsanwältin informiert sehr profunde über Fragen wie: Wer darf sich verpartnern? Wie geht eine Verpartnerung vor sich, was brauche ich dafür? Was passiert nach der Trennung, wie ist es mit dem Unterhalt? Wie funktionieren Stiefkind-Adoption und kleines Sorgerecht? Wie ist das mit dem Erben und was müssen binationale Paare besonders beachten?

Alexandra Gosemärker: Erst Recht! Der Ratgeber zu allen Rechtsfragen rund ums Zusammenleben. weiterlesen

Traude Bührmann: durchatmen.

Die Liebesbeziehung zerbrochen, die WG aufgelöst, hat es die Protagonistin Alex Klose in eine ungeliebte, kleine Wohnung verschlagen. Sie, die immer von luftigen Lofts geträumt hat, findet sich in der miefigen Enge eines 50er-Jahre-Milieus wieder. Es fühlt sich an wie eine Verbannung, zurück dahin, von wo sie geflohen zu sein glaubte. Alex packt die Umzugskisten nicht einmal aus, sie will Vergänglichkeit sinnlich begreifenund wird süchtig nach Einsamkeit. Vorerst zeigt sich die Vergänglichkeit in ungespültem Geschirr und wachsenden Müllbergen in ihrer Wohnung. Weil sie kaum mehr mit anderen spricht, verkommt ihre Stimme zu einem Krächzen. Flecken auf dem T-Shirt und fettige Haare verlieren an Bedeutung, denn Alex konzentriert sich auf innere Stimmen. Ihre Freundinnen dringen nicht mehr zu ihr durch.

Traude Bührmann: durchatmen. weiterlesen