Archiv der Kategorie: Rezensionen 2014

Bettina Isabel Rocha: Antipasti und eine Prise Schuld.

Bettina Isabel Rocha - Antipasti und eine Prise SchuldDie Hauptfiguren dieses Kriminalromans sind zwei gestandene Ladies: Margot Meerapfel, die Lehrerin im Vorruhestand und ihre unternehmungslustige Freundin Thea Pütz. Margot liebt ihren Garten, italienische Küche und Opern. Gern möchte sie sich diesen Genüssen in aller Ruhe hingeben, doch dann findet Thea die Leiche einer alten Schulfreundin. Zuerst geraten Margot und Thea unter Verdacht, doch bald entwickeln sie echte Miss-Marple-Qualitäten und klären den Fall mit Hilfe der jungen Kommissarin Etta Scovalli auf. Nebenher geht es dann noch um die Liebesbeziehung zwischen Etta und Margots Ziehtochter Clara, die ihr Musikstudium an den Nagel hängt. Der aufzuklärende Fall geht bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Margot muss sich mit dem Verschweigen und mit der Schuld ihres Vaters auseinandersetzen.

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Sara Lövestam: So, wie du bist

Sara Lövestam: So, wie du bistDie punkige Lesbe Lelle, die nicht erwachsen werden will, weil sie so vermeidet, dass andere sie ernst nehmen müssen. Lelles bester Freund Martin, ein Heteromann, der seinen Fetisch für amputierte Frauen entdeckt. Die Doktorandin Paula, ohne Beine zur Welt gekommen, im Rollstuhl, kennt ihre leiblichen Eltern nicht, die sie zur Adoption freigegeben haben. Sie ist in einer nicht unkomplizierten Pflegefamilie aufgewachsen, in der sie sich immer fremd gefühlt hat. Paulas Mutter, die als Migrantin nach Deutschland kam, kein eigenes Aufenthaltsrecht besaß und auf Drängen des schwedischen Ehemanns ihr Kind weggeben musste. Eine Alkoholikerin, die ein behindertes Kind zur Welt brachte. Es geht um vielfältige Diskriminierungserfahrungen, darum, ob eine sich für oder gegen eine Außenseiterposition entscheiden kann.

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Marie Leitner: Mädchen mit drei Namen.

Der Band vereint Reportagen aus Deutschland und einen Berliner Roman, entstanden in der Zeit zwischen 1928 und 1933.

Not und Elend, Erfindungsreichtum und Überlebenswillen, Frauen in verschiedenen Berufen, Miniaturen aus dem Berliner Alltag werden ungeschönt und doch nicht hoffnungslos dargestellt. In ihrem Fortsetzungsroman macht Leitner uns mit Lina bekannt, die vom Land nach Berlin kommt, um ihr Glück zu machen. Das will und will sich aber nicht einstellen. Als Eveline wird sie Animierdame, versucht in halbseidenen Kreisen ihr tägliches Brot mehr schlecht als recht zu verdienen. Sie gerät in die Fänge der Fürsorge, wo sie als Annunciata unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wird und hart arbeiten muss, ohne Lohn dafür zu erhalten. Erst als sie am Ende geflohen ist, findet sie einen möglichen Ausweg: sie schließt sich der linken Bewegung an, um gemeinsam für die Befreiung der Entrechteten zu kämpfen. Ein echter Entwicklungsroman!

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